Rassetypische Erbfehler und Defekte

Wie bei allen Tierpopulationen deren Ursprung auf einen sehr kleinen Gen-Pool und einem damit verbundenen hohen Grand an Inzucht und Ahnenverlust zurückgeht, sind auch bei den Siamesen und Orientalen eine Reihe von Erbkrankheiten bekannt.  Durch jahrelange Inzucht, sowie eine sehr enge Linienzucht haben sich nicht nur die gewünschten Merkmale gefestigt und multipliziert, sondern auch die unerwünschten genetischen Defekte. Es ist in der heutigen Siamkatzenzucht deshalb sehr wichtig, vor einer Verpaarung genaue Stammbaumstudien  zu betreiben um zu verhindern, dass eventuell verborgene, vorhandene Defekte weitergegeben werden.

Folgende Erbkrankheiten sind bekannt: 

   Knickschwanz  - Knick oder Knoten im Schwanz
  Verändertes Sternum - Brustkorbfortsatz wie ein Dorn am Bauch. Der Dorn kann sich ins Körperinnere richten oder nach Außen. Das veränderte Sternum nach Innen ist seltener beobachtet und kann nur mit einem Röntgenbild nachgewiesen werden.  
  Froschsyndrom  - Missbildung des Brustkorbs 
  Wolfsrachen  -  Offene Gaumenspalte. Je nach Größe der Gaumenspalte sind die neugeborenen Kätzchen  nicht in der Lage  Milch aus den Zitzen der Mutterkatze zu saugen. 
  Offene Bäuche -  Nicht vollständig geschlossene Bauchdecke bei Neugeborenen. Jungtiere sind nicht überlebensfähig. 
  Kardiomyopathie - Herzfehler
  Pärsistierender Aortenbogen - ein Gefäßring schnürt in  Höhe der Herzbasis die Speiseröhre ein, zählt zu den Herzfehlern
  Megaösophagus - Verengung der Speiseröhre, ist an verschiedenen Stellen der Speiseröhre möglich 
  Angeborenes Nierenleiden 
  Leber und Darmkrebs
  Enophtalmus - Eingerollte Augenlider die der Katze einen ständigen Juckreiz und Entzündungen verursachen, oft verbunden mit Nickhautvorfall.
  Strabismus - Schielen 
  Nystagmus - Augenzittern 

 

Bei diesem unerfreulichen Kapitel ist ganz besonders die Offenheit der Züchter gefragt. Es ist keine Schande wenn man von den so genannten Erbkrankheiten betroffen ist, deren Grundstein bereits vor vielen Jahrzehnten gelegt wurde. Aber es ist nicht sinnvoll, Erbkrankheiten zu verschweigen, mit betroffenen Tieren weiter zu züchten oder sie in fremde Zuchten abzugeben.  

Der derzeitige Stand der Rasse nach dem gültigen Tierschutzgesetz   

 

Im Gutachten zur Auslegung des § 11 b des Tierschutzgesetzes werden die Siamesen aufgrund ihrer  Farbaufhellung, die auf die Allele cs zurückgeht, erwähnt. 

Ein Auszug aus dem Gutachten lautet: "Bei Katzen deren partielle Farbaufhellung durch den cs-Faktor determiniert wird, werden abweichende (aberrante) Faserverläufe in den Sehbahnen, Schielen (Strabismus) und Augenzittern (Nystagmus) diagnostiziert."

Folgende Empfehlungen wurden an die Zuchtverbände ausgesprochen: 

-   Maskenkatzen aller Rassen sollen vor der Zuchtzulassung „Ophthalmologisch“ untersucht werden.

-   Zuchtverbot für Tiere mit Sehstörungen. Alle untersuchten Tiere sind dauerhaft zu kennzeichnen (Tätowierung oder Mikrochip). Es sind Zuchtbücher zu führen. Zuchtbücher und Untersuchungsergebnisse sind bei Bedarf offen zu legen.

 

 

Taubheitsprobleme bei Siamesen & Foreign White’s sind bisher nicht bekannt. Ihre Fellfärbung wird nicht durch das so genannte W-Gen verursacht. 

Zucht/Aufzucht und Ernährung 

Auch wenn die Orientalischen Rassen zu Geselligkeit und einem Leben im Familienverband neigen, sollte man doch darauf achten nicht zu viele Katzen in einer Gruppe zu halten. Auch unter ihnen gibt es Exemplare die ihr Leben lieber als Einzelkatze verbringen möchten. Eine zu hohe Bestandsdichte fördert Kämpfe um die Rangordnung und Revierstreitigkeiten. Trotz der langen Zuchtperiode hat die Siamkatze ihre ursprüngliche Eigenschaft als Katze nicht verloren.

Einmal verfeindete Katzen ändern ihr Verhalten nur sehr selten und meistens ist man gezwungen, eines der verfeindeten Tiere (dem Tier zuliebe) abzugeben. 

Die Pflege und Haltung von Siamesen und Orientalen erfordert nur wenig Aufwand. Eine spezielle Fellpflege ist nicht nötig. Durch die fehlende Unterwolle reicht einfaches Streicheln aus, um abgestorbene Haare zu entfernen. Ein hochwertiges Markenfutter und gelegentliche Gaben von Vitaminen und Hefepräparaten reichen in der Regel zur optimalen Ernährung aus. Deckenhohe Kratzbäume fördern den Bewegungsdrang der Katzen und tragen zu ihrem Wohlbefinden bei. Die orientalischen Katzen zählen zwar zu den frühreifen Rassen und eine Rolligkeit bei einer 5 Monat alten Katze ist keine Seltenheit, jedoch zählen sie ebenfalls zu den sich  spät entwickelnden Rassen. Das heißt, man sollte Jungtiere nicht vor Vollendung der 14. Lebenswoche von der Mutter trennen. Bei der Entwicklung ihres Immunstatus liegen sie hinter den anderer Rassen etwas zurück.

Über das optimale Belegungsalter von Orientalischen Katzen scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite gehören sie den so genannten Schlankformrassen an und mit fortschreitendem Alter tritt die Verknöcherung der Schambeinfuge ein, welches ein höheres Kaiserschnittrisiko birgt. Auf der anderen Seite gehören sie zu den so genannten Spätentwicklern unter den Rassen und  ihr Immunstatus benötigt mehr Zeit um sich vollständig zu entwickeln. Ein geeignetes Alter für eine Erstbedeckung liegt meiner Erfahrung nach bei einem Alter zwischen 12 und 24 Monaten. Eine rollige Orientalin in einer Mietwohnung kann sie um Kopf und Kragen bringen. Nicht selten sind ihre heiseren Rufe über eine weite Entfernung hin wahrzunehmen und haben so manchen Vermieter- bzw. Nachbarschaftsstreit in Gang gesetzt.  

Die Tragzeit liegt in etwa bei 65 - 67 Tagen. Das Geburtsgewicht beträgt zwischen 80 und 120 Gramm. Die früheren Wurfstärken von 6 und mehr Babys werden heute nur noch selten erreicht. Über die Ursachen kann man nur spekulieren. Die Aufzucht von gesunden Katzenbabys ist meist unproblematisch. Ab der vierten Woche beginnen die Kätzchen bereits feste Nahrung zu sich zu nehmen. Im Alter von 8 bis 9 Wochen beginnt man mit dem Impfprogramm, welches im Alter von 14 Wochen abgeschlossen sein sollte. Mit der Vorbeugung gegen Wurmbefall kann man  im Alter von 4 Wochen beginnen. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass es sich bei allen Entwurmungspräparaten um Hochdosierte Chemie handelt und die Empfehlungen der Pharmaindustrie darauf abzielen, möglichst hohe Mengen dieser Präparate zu verkaufen. Eine Alternative zu diesen oft unnötigen Maßnahmen stellt die Kotuntersuchung in einem anerkannten Labor dar. Sollten sie von Zeit zu Zeit den Kot ihrer Katzen in einem solchen Labor auf Parasiten untersuchen lassen, können sie bei einem negativen Ergebnis die Intervalle einer chemischen Wurmkur in Ihrem Katzenbestand drastisch reduzieren. 

Für viele Besitzer eine Siamkatze heißt es: "Einmal Siam, immer Siam"!  Sollten Sie an einer lebhaften, intelligenten und dazu pflegeleichten Katze interessiert sein, so wird eine Katze der orientalischen Rassen vielleicht die richtige für sie sein. Egal ob Schlankform oder gemäßigtem Typ. Eine echte Siam macht nicht nur das Aussehen aus. 

 

 

Zurück Seite 1